Vielerlei

Irgendwie ist das ganze Jahr durchgeplant, da findet man kaum mal ein Wochenende, an dem nichts anliegt. Und es kommt immer mehr dazu. Freundinnenwochenenden, Freundinnenbesuche in Stuttgart, Familiendates… Ich weiß nicht was los ist. Das war alles irgendwie nicht so als wir noch kinderlos waren. Komische Entwicklung, eigentlich kennt man das ja eher andersrum. Aber mir gefällt es so. Ich bin froh, dass von der alten Bellona noch viel übrig ist, denn man weiß ja vorher wirklich nie, wie man sich als Mutter so entwickelt. Ich hab mir das aber so schon auch vorgestellt. Es ist natürlich auch anstrengend, das Muttersein und das selbstbestimmte, abenteuerlustige Ich unter einen Hut zu bringen. Aber es macht mich trotzdem sehr zufrieden, ich mag beide Rollen meines bescheidenen Lebens.

Meine beständigsten Hobbies, das Lesen und das Bloggen, bleiben da allerdings gerade sehr auf der Strecke. Aber das ist auch nichts, was ich negativ sehe. Man muss Hobbies ja auch nach Lust und Laune machen. Ich hätte zwar am Donnerstag den 12.4. schon Lust gehabt, wieder 12 Fotos zu machen und zu bloggen, denn ich mache bei „12 von 12“ schon recht zuverlässig mit, aber nicht mal das bekam ich auf die Kette. Dabei war es so ein aufregender Tag! Die städtischen Kitas hatten ja gestreikt und eigentlich wollte ich (zähneknirschend) einen Tag mit Überstunden frei machen. Dann meldete mein Arbeitgeber aber per Rundmail, dass Kinder mit zur Arbeit kommen dürfen. Und ich hab das dann einfach mal probiert. Ich wusste echt nicht, was mich erwartet; schlussendlich war ich sehr überrascht. Es hat einfach wunderbar geklappt! Der Kleine war sehr lieb und hat sich beschäftigt mit allerhand Spielzeug von Kolleginnen (ich selbst hab auch eine kleine Spielecke in meinem Büro) oder mit Büromaterialien und war nicht mal heiß auf meinen PC, was schon an ein Wunder grenzt.

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Ich hatte am Vortag extra länger gearbeitet und die ganze Arbeit erledigt, die Konzentration erfordert, so musste ich am Donnerstag nur leichtes Zeug abarbeiten. Das funktionierte einwandfrei. Die Mittagspause verbrachten wir mit den ganzen Kollegen im Pausenraum, ich hatte für uns Pellkartoffeln mit Quark vorbereitet. Er ist Fremden gegenüber nicht besonders freundlich eingestellt, aber unter den ganzen Leuten um uns herum taute er auf, spielte mit einer Kollegin, machte Quatsch mit einem Kollegen und unterhielt uns alle ein bisschen. Nach dem Mittagessen fuhren wir dann wieder nach Hause, das Kind machte Mittagsschlaf im Auto und ich war fix und fertig, aber auch total happy.
Weiter ging der Tag mit einem Einkauf bei DM, „Vesperpicknick“ im Auto, bisschen spielen zu Hause. Dann übergab ich das Kind dem Ehemann und machte mich ausgehfein. Denn meine hier einzige richtig gute Freundin (auch Mutter eines kleinen Jungen und einfach genauso bekloppt wie ich es mag) und ich hatten von langer Hand einen After-Work-Ausgehabend geplant. Unsere Partyabende am Wochenende sind nicht häufig, weil wir beide immer so ausgebucht sind, aber sie sind meistens so lang und ausschweifend, dass wir das sowieso nicht öfter machen könnten. So als Mütter und in unserem Alter. ;) Nun fanden wir die Idee, einfach mal donnerstags auszugehen, total super. Erstens geht das öfter, weil man unter der Woche nicht so verplant ist. Zweitens haben wir beide freitags frei. Und drittens ist die Absturzgefahr nicht so groß wie am Wochenende. ;) Und ja, wir hatten wirklich einen tollen Frühlingsabend in der Stuttgarter Innenstadt und eine wunderbare, vernünftig kurze Partynacht in einem Club, den wir vorher nicht kannten und von dem wir absolut begeistert sind.

So, eine Sache noch: Der Frühling ist da, das Wetter ist schön, es ist warm aber nicht heiß, man ist viel öfter draußen. Und trotzdem ist mein Kind seit gestern SCHON WIEDER krank. Ich will gar nicht so arg zetern, weil wir wirklich immer gute, gesunde Wochen zwischen den Infekten haben. Aber es geht mir doch schon sehr sehr sehr auf den Geist. Er hat einen abartigen Husten und die Rotznase des Todes. Gott sei Dank bisher kein Fieber, aber dennoch musste er gestern vorzeitig aus der Kita geholt werden. Und so  muss man dann automatisch runterschrauben, Pläne und Termine sausen lassen, und abwarten, ob er schnell oder langsam wieder fit wird. Natürliche Beschneidung eines übervollen Terminkalenders. ;)

 

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Tachchen! Na?!

Viele liebe Grüße aus der Versenkung. Ich kann gar nicht fassen, wie inaktiv ich gerade in der Blogosphäre bin, weil das nicht sooo typisch für mich ist. Es lag und liegt so viel an, Termine, Besuche, Arbeit, Leben. Die Lust am Ausgehen, Rausgehen, Erleben ist gerade zudem riesig. Ich komme mir manchmal fast ein bisschen vor, wie in einer klitzekleinen Midlifecrisis. War ich gerade noch hochzufrieden, wenn ich friedlich und gemütlich zu Hause ohne große Action sein könnte, bin ich aktuell am liebsten unterwegs. Wenn mein Mann jetzt noch mal ein Wochenende mit dem Kleinen wegfahren würde, wäre ich aber sicher nicht die ganze Zeit zu Hause und würde Netflix und meine Couch und die Ruhe genießen. Nee, gerade würde ich vermutlich das ganze Wochenende durch irgendwelche Clubs tingeln. Nun liegt aber so ein Wochenende gerade nicht an, dafür aber morgen ein Partnertag mit meinem Mann. Den Kleinen schieben wir zu seiner lieben Großtante ab, ganztags und auch über Nacht. Und wir verbringen Zeit miteinander (!), nicht nebeneinander. Und wir werden abends durch die Clubs tingeln. :D

 

 

Pustekuchen

Das Wort des Jahres, jetzt schon. Eigentlich fing es schon kurz vor Weihnachten an, dass dieses Wort öfter zur Sprache kam. Da fing es nämlich auch an mit den Kleinkindkrankheiten. Damals hatten wir schon Plätze im Kino für Star Wars reserviert, weil meine Mutti hier war und wir somit einen Babysitter hatten. Aber Pustekuchen. Den Film haben wir bis heute nicht zusammen anschauen können und jetzt wollten wir mal wieder einen Termin finden, in der Hoffnung dass der Film noch immer läuft. Jap, Pustekuchen. Müssen wir wohl auf die DVD warten. Und so läuft das jetzt schon eine Weile. Ich stehe total auf Pläne und werde ganz irre, wenn die durchkreuzt werden durch Unvorhersehbarkeiten. Die haste aber eigentlich ständig mit einem Kindchen, vor allem wenn es in die Bazillenhöhle (Kita) geht. Da haste auf Arbeit einiges zu tun und dir einen Wochenplan für die Erledigung der Aufgaben zurechtgelegt…Pustekuchen, Kita ruft an. Oder Kind bricht. Oder Kind hat Fieber. Oder sonstwas. Oder, auch geil: Am heiß herbeigesehnten freien Freitag soll die To-Do-Liste wieder ein bisschen reduziert werden. Pustekuchen, Mutter kotzt nun auch.

Gestern hab ich dann auch richtig gekotzt, im übertragenen Sinne, also abgekotzt. Denn der lang herbeigesehnte Ausgehabend mit meiner Freundin wurde durchkreuzt. Diesmal nicht vom Kind, aber von meinem Verdauungstrakt. Scheinbar ist da was noch nicht wieder ganz auf der Höhe, ich jedenfalls hätte nicht einfach mein Zuhause mit dem schönen, hauseigenen Klo verlassen können. Dann ging halt mein Mann mit ihrem Mann aus, ganz spontan, und wir blieben zu Hause bei unseren Kindern. Sehr frustrierend, wir hatten uns echt so gefreut. Und dann kam bei mir auch noch eine durchwachte Nacht hinzu. Sowas passiert nicht oft, aber wenn ich mal alleine zu Hause bin, dann passiert es grundsätzlich, da kannste einen drauf lassen. Also, Kindchen ab halb 11 glockenwach und sehr unleidlich. Ich musste meinen Couchabend und meine Fotobucharbeit abbrechen und mit ihm ins große Bett. Wo er halb 2 erst wieder einschlief, und um 6 wieder erwachte, mit einem leichten Krupphusten. Der Mann schlummerte friedlich und verkatert auf der Couch. Bis halb 8 konnte ich das Kind noch schmusend bei mir im Bett behalten, dann war Schluss und der Papa wurde geweckt. Aber hey, er hatte auf jeden Fall mehr Schlaf als ich, das war genug Schonung für meine Begriffe. Ich bin echt richtig angepisst, das darf ich aber ja wohl auch mal. Ich weiß ja trotzdem dass es eh nichts bringt und es natüüüürlich viel Schlimmeres gibt. Gibt es immer.

Heute Abend starten jene Freundin und ich einen neuen Versuch. Ich hab Augenringe des Todes und muss morgen um 11 geschniegelt und gestriegelt und fit sein fürs Familienessen, aber ich lass mir das heute nicht nehmen. Es sei denn, ich kriege heute noch einen spontanen Blinddarmdurchbruch oder so. Hab zwar keinen Blinddarm mehr, aber hey, das interessiert ja mein Karma gerade nicht. ;)

Was den Kleinen nicht umhaut…

…haut die Große um. Unglaublich.

MTE hat am Mittwoch morgens um 5 im Bett gebrochen. Nach kurzer Irritation seinerseits wollte er Milch trinken und war ganz gut drauf. Die Milch kam auch wieder raus, aber das war’s dann. Er blieb den Tag trotzdem zu Hause, aß nicht besonders gut (aber auch nicht nichts) und war sonst total fröhlich und fit. Am Donnerstag in der Kita hatte er dann ein Mal die Hose ganz arg voll, aber abgesehen von wenig Appetit war ihm sonst auch nichts anzumerken. Das war’s. Kein flotter Otto und kein Brechen mehr.

Dann war ich dran. Fragt nicht nach Sonnenschein. Von Donnerstagnacht um 3 bis Freitagmittag um 11 musste ich alles was so geht im Wechsel oder gerne auch zeitgleich, ca. im Viertelstundentakt. Ich hatte sooo einen Durst und konnte nichts bei mir behalten. Am Ende hab ich geheult und wollte nicht mehr leben. Kotzfrei, und damit wieder in der Lage zu trinken, war ich dann ab 11 Uhr, der Rest ging erst abends weg. Flach lag ich bis Samstagmittag noch.

Dann war MTM dran. Samstagabend, 3x brechen, schlapp und müde bis Sonntagabend. Das war’s.

Exakt so lief auch unsere letzte familiäre Noroinfektion, im Dezember 2016. MTE hatte sogar noch weniger auszustehen (zum Glück), MTM hatte 4x gebrochen und ich wollte nur noch sterben nach einer ganzen Nacht Toilettenpein.

Frauenfeindliches Arschgeigenvirus.


Gestern Nachmittag konnten wir dann alle 3 endlich mal wieder geschlossen vor die Tür, um das wundervolle Wetter zu genießen. Wir fuhren in den Höhenpark Killesberg in Stuttgart, doch so schön die Sonne auch schien, lange hielten wir es nicht aus. MTM war noch geschwächt und uns allen froren fast die Gliedmaßen ab. Ich finde Minus 2 Grad zwar nicht sooo kalt, aber der Wind war echt richtig eisig. Immerhin konnten wir ein paar Tiere angucken, ein bisschen auf dem Spielplatz spielen und rutschen, und immerhin wurden wir mal wieder gelüftet. Umso schöner war auch das Heimkommen in die vormittags von mir desinfizierte Bude wieder, und das Couchkuscheln zu dritt. ♥

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Welche Kinderkrankheit ist das größte Arschloch?

Also, bei mir steht da Mundfäule ganz hoch im Kurs. Es gibt so Krankheiten, die hielt ich als kinderlose Frau für entweder hochgefährlich und ausgerottet oder ich kannte sie gar nicht. Scharlach zum Beispiel. Oder Mundfäule. Ich meine, welcher normale Mensch beschäftigt sich schon mit so einem abartigen Wort?! Nun, Mütter.

Mein Söhnchen war am Montagmorgen mit mir bei der U7, da war noch alles gut, abgesehen von dem aufsehenerregenden Gebrüll, das das Kind an den Tag legte. Man hat mir versichert, dass es noch schlimmere Kinder gibt, aber im U-Heft steht nun als Auffälligkeit: „Durchgängige Abwehr bei der Untersuchung.“ Jo.
Am Abend hat der Kleine dann plötzlich beim Essen „Aua“ gesagt, auf den Mund gezeigt und geweint und alles verweigert, was wir ihm anboten. Auch die geilen Sachen, die er liebt. Die Nacht war zum Kotzen. Er war total unruhig und schlief erst um 22 Uhr ein, wachte dann aber stündlich auf und teilweise schrie er dann auch noch minutenlang. Ich bemerkte dann auch einige Bläschen auf den Innenseiten der Lippen. Ein paar Stunden Schlaf bekamen wir alle dann trotzdem zusammen im großen Ehebett und am Morgen rief ich auf Arbeit an und meldete mich erstmalig „kindkrank“. Zum Kinderarzt sollten wir vormittags kommen und bis dahin verhielt sich das Kind fit und fröhlich, aß auch Haferflocken mit Joghurt und ich fragte mich schon, ob das alles doch gar nichts war. Der Arzt erklärte mir dann (unter tosendem Geschrei natürlich wieder), dass das Kind tatsächlich „Aphten“ im Mund habe und er auf eine Herpes-Erstinfektion tippt. Er bereitete mich vor, was noch kommen würde: Hohes Fieber, offene Stellen im Mund, Mundfäule, starke Schmerzen. Tja, und er sollte Recht behalten.

Seitdem geht’s eigentlich nur noch bergab. Erst kam tatsächlich 2 Tage lang hohes Fieber und das Essen wurde schwieriger, aber gewisse Sachen gingen noch (Joghurt, Milch, Banane usw.). Inzwischen ist das Fieber weg und die gestrige Nacht war auch die erste, in der der Kleine wieder zwar unruhig, aber durchgängig in seinem Bett schlief. Vorher schlief er dort zwar völlig erschöpft recht früh abends ein, aber schreckte dann irgendwann so hoch dass er zu uns ins Bett kommen musste. Nun ist es aber so, dass die Nahrungsverweigerung stärker in den Vordergrund rückt. Der Mund scheint stark zu schmerzen, das Kind sabbert wie ein Wasserfall und will nichts außer dem Schnuller im Mund haben. Manchmal gibt’s kleine Hochs, zum Frühstück gestern zum Beispiel aß er bisschen was und trank auch. Seine Milchflasche morgens im Bett trinkt er auch immer aus (90ml H-Milch, 170ml Wasser). Aber ansonsten verweigert er alles und heult nur, wenn es an den Esstisch geht. Seit das Fieber runter ist, trinkt er auch so gut wie nichts mehr, ich gehe hier fast ein vor Sorge. Nachdem er dann heute Nachmittag fast 24 Stunden nichts gegessen und (abgesehen von der Flasche morgens) nichts getrunken hatte, hab ich ihn nach einem Schmerzmittelzäpfchen (das ist auch immer sehr dramatisch) zwingen müssen, ein paar Schluck Wasser zu nehmen. Und einen Schluck Milch mit Honig. Den fand er dann doch attraktiv, so dass er Gott sei Dank das ganze Glas austrank, noch ein zweites verlangte und davon noch bisschen was trank. Dann sagte er „ja“ zu einer Viertel Banane und auch zu einer kleinen Schale Kartoffelsuppe mit Wurst und Blumenkohl. Ich war so erleichtert vorhin! Seitdem will er wieder nix mehr von irgendwas zu Essen oder Trinken wissen, das wird vermutlich auch so bleiben bis morgen, davon kann ich nun ausgehen. Aber immerhin ist er nun erst einmal bisschen gestärkt und auch nicht mehr so schwach auf den Beinen. Ich hatte schon überlegt, wegen des Flüssigkeitshaushaltes ins Krankenhaus zu fahren.

So, die Weihnachtsstimmung ist erstmal dahin hier. Meine Mutti ist da und MTM hat seit gestern auch frei, aber ich bin trotzdem zu Hause, weil das Kind an mir klebt. Er tut mir so leid, aber ich mir ehrlich gesagt auch ein bisschen. Ich bin seit 3 Tagen ungeschminkt und kann froh sein, dass er mal 10 Minuten mit seiner Oma spielt und ich duschen gehen kann. Meine Mutti wäscht seit ihrem Eintreffen permanent Wäsche (Bettlaken, vollgesabberte Pullis, vollgesabberte Spucktücher, vollgesabberte Erwachsenenklamotten…) und hat heute die Bude geputzt um uns herum. MTM hat die letzten Besorgungen gemacht. Jeden Abend wünsche ich mir die weihnachtliche Stimmung wieder herbei, die ich bisher hatte, aber doch bin ich jeden Abend völlig unentspannt, weil ich weiß dass ich gleich wieder ans Bettchen werde gehen müssen und weil ich mir solche Sorgen mache, weil das Kind so wenig trinkt und solche Schmerzen  hat. Und nein, das Gröbste scheint nicht überstanden zu sein. Das dauert wohl eine ganze Weile, bis es wieder gut im Mund ist und unser Sohn belehrt uns auch jeden Tag eines Besseren, wenn wir es mal gewagt haben, Hoffnung zu haben. Morgens ist er nämlich meistens ganz gut drauf, aber bisher ging es immer wieder bergab im Laufe des Tages.

Mundfäule, ey. Arschloch.

 

 

Mutter in der Lehre

Am Samstag hatte ich die völlig behämmerte Idee, auf den Weihnachtsmarkt zu gehen, um „schnell“ was zu besorgen. Noch bekloppter wurde die Idee, als ich den Kleinen auch noch mitnahm, und den Buggy. Ich wollte meinem Mann einfach auch mal ein paar sturmfreie Stunden bescheren, daran ist ja nichts verkehrt.
Als ich dann schon im Parkhaus mit dem Auto im Stau stand, später zu Fuß bei den Fahrstühlen, und dann einfach in der gesamten Innenstadt, verfluchte ich mich schon wieder selbst. Dann fing es auch noch an, in Strömen zu gießen. Ich erreichte weder das gewünschte Weihnachtsmarktbüdchen, noch die Alternative: Eine Abteilung im Einkaufszentrum. Da stand ich nämlich auch am Fahrstuhl an, aber nach 10 Minuten hat es mir gereicht. Draußen sind wir dann durch den Regen gelaufen und haben im Regen die Krippe mit echten Tieren angeschaut. Das war der einzige Platz, der nicht überfüllt war, nur eine andere klatschnasse Mutti stand mit ihrem Kind neben mir.
Ich hatte schon aufgegeben und wollte unverrichteter Dinge (für 9€ Parkgebühr!) wieder gehen, da lief ich dann doch noch an einem Stand vorbei, bei dem ich besorgen konnte was ich besorgen wollte. Es hörte auch auf zu regnen, sodass mein Kind und ich uns sogar noch eine riesige Dampfnudel auf einer etwas abgelegenen Parkbank teilen konnten. Ich war wieder besänftigt. Bis…

Also, auf dem Rückweg zum Auto liefen wir an einem Karussell vorbei. MTE wollte „rrrein!“ und ich Idiotin dachte, einen Versuch sei es wert. Er ist schon mal mitgefahren bei sowas, aber es gab auch schon Situationen, in denen er dann doch nicht wollte. Diesmal schien er es kaum erwarten zu können, allerdings konnte man sich wegen der Menschenmassen nicht unbedingt aussuchen, in welches Gefährt man sein Kind setzt. Das Karussell hielt, ich setzte ihn zu einem anderen Kind in einen Abschleppwagen, aber er wollte nicht und war kurz vorm Weinen. Ok, eine Runde abwarten, dem Kind erklären dass es ggf. auch mit anderen Kindern mitfahren muss und vor allem nur mit dem Abschleppwagen, weil der direkt vor uns hält. Kind wirkte sehr verständnisvoll und sagte zu allem brav „ja“. Karussell hält an, ich versuche ihn reinzusetzen, er wehrt sich wieder. Ich war wirklich nicht wütend, ich hab ja auch ein bisschen damit gerechnet. Aber erledigt war das Ding nun eben auch für mich, also sagte ich ihm, dass wir dann jetzt zum Auto gehen… Tja, was soll ich sagen? So einen krassen Wutanfall habe ich bei ihm noch nie erlebt. Mitten in der Menschenmasse, in der wir uns befanden, drehte das Kind völlig durch, war eindeutig nicht mehr Herr seiner Sinne und wehrte sich gegen jeden Versuch, ihn zu berühren. Ich konnte ihn weder hochnehmen, noch an die Hand nehmen, noch in den Buggy setzen. Er schmiss sich auf den nassen Asphalt und schrie und schrie und schrie und wollte wieder zurück zum Karussel und „rrrein!“. Alle Köpfe flogen zu mir herum, aber ich war viel zu beschäftigt damit, das Kind erstmal aus dieser Menschenmasse rauszukriegen, als dass mich das irgendwie angehoben hätte. Ich konnte ihn nur unter enormem Kraftaufwand und strampelnd unter meinem Arm zur Seite tragen, stellte ihn dann ab und ließ ihn weiter ausrasten. Als ich mich herunterbeugte, um ihm zu erklären, dass er zwei Mal nicht mitfahren wollte und wir deshalb jetzt gehen, wurde das Geschrei schon langsam weniger irre. Ich konnte mich dann dort, wo weniger Menschen waren, auch mal 3 Meter entfernen, erklärte ihm unter seinem Geschrei, dass ich jetzt zum Auto gehen möchte und mich freuen würde wenn er mitkommt. ;) Irgendwann kam er angerannt (noch immer weinend) und wollte hoch – da wusste ich, dass er nun wieder klar ist. Er bat nur noch wimmernd um seinen Schnuller und als er ihn hatte, drückte er mich ganz fest. So standen wir mehrere Minuten da, mitten in Stuttgart, und umarmten uns. Meine Aufregung, Wut und Verzweiflung waren sofort verflogen. Seine auch. Er war sichtlich geschafft von dieser Attacke, aber dann ganz lieb und auch redselig. Er erzählte mir den gaaanzen Heimweg lang, dass er ins Karussell wollte, Mama nein gesagt hat und er geweint hat („Nein nein! Mama! I weine!“). Am nächsten Morgen hat er mir das auch nochmal erläutert. :D

So, und ich bin einfach irgendwie stolz, dass ich das ganz gut überstanden habe. Dass ich weder nachgegeben habe, um nur das Kind zu beruhigen (was hätte er daraus gelernt?), noch ausgeflippt bin. Ich wusste vorher wirklich nicht, wie angemessen oder unangemessen ich in so einer Situation reagieren würde, ich weiß es auch fürs nächste Mal nicht. Aber mit diesem Mal bin ich einfach ein bisschen gewachsen in dieser komischen Mutterrolle, habe dazugelernt, war wieder ein bisschen selbstbewusster. Mama entwickelt sich. Kind sowieso. Diese scheiß Wutanfälle gehören unerfreulicherweise wohl dazu. Herrje, das war nur der Anfang!

Undankbarer Job

Jetzt hat es mich auch erwischt, wovon einige Freundinnen mir schon berichteten: Papa ist der Held und Mama ist die olle Pissnelke, die ständig „nein“ sagt und statt permanenter Entertainer zu sein, auch unverschämterweise mal damit zu tun hat den Alltag in geregelten Bahnen zu halten. Und wenn Papa nicht der Held ist, ist es Oma. Mama ist aber irgendwie aus der Mode gekommen in letzter Zeit. Wenn Mama z.B. mit dem Söhnchen in der Wanne sitzt und Papa/Oma mal kurz reinkommt und wieder geht, brüllt der kleine Teufel los wie verrückt. „Papa daaa!“ „Oma daaa!“ Hallo? Mama ist doch da, hömma, zählt das nichts? Oder, wenn abends zu dritt noch ein Buch gelesen wird und Mama es dann wagt, das Kind ins Bett bringen zu wollen, inklusive Dazulegen und Händchenhalten (ja, das macht Mama natürlich, damit das Kind sich behütet und geborgen fühlt). „Neeeeein! Papaaaaa! Heulheulheul.“ Oder, wenn Mama samstags mit dem Kind rausgehen will und der Papa zu Hause bleibt. „Nein! Papaaaaaa! Papa daaa!“ Ey. Wie soll man da noch verständnisvoll und cool reagieren (macht man so heutzutage), wie soll man da nicht genervt sein bei so einem Theater ständig? Übrigens hat später am selben Tag der Papa auch gemeinsam mit dem Kind die Wohnung verlassen und Mama blieb zu Hause. Kind hat fröhlich gewunken. Und tschüss.

Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die gerne panisch reagiert. Schwarzmalerisch auch zuweilen. Ich sehe schon eine total kaputte Mutter-Kind-Beziehung vor meinem inneren Auge. Habe ein schlechtes Gewissen und denke an Entfremdung, weil das Kind 3 Tage in der Woche morgens nur den Papa sieht. Denke, dass der Papa ihn vielleicht zu oft abends ins Bett bringt (wir wechseln uns ab). Dass er zu oft mit Papa coole Ausflüge macht und mit mir nur die Alltagsbewältigung mitkriegt. Möchte mich vielleicht irgendjemand freundlicherweise ein bisschen beruhigen und mir ein paar einleuchtende Erklärungsversuche präsentieren? Danke.

Und zum Kompott hab ich jetzt drei völlig vollgepackte Tage und kriege mein Kind gar nicht zu Gesicht: Morgen früh bin ich wahrscheinlich auf dem Weg zur Arbeit, wenn er erwacht. Mein Mann holt den Kleinen ab, während ich ein paar Erledigungen mache und abends zum Friseur gehe. Wenn ich nach Hause komme, pennt das Kind. Mittwochs fahre ich auch zur Arbeit und lasse den Kleinen nachmittags von einer Tante abholen und hüten, bis der Papa kommt. Denn ich hab nach der Arbeit Weihnachtsfeier. Da komme ich auch erst sonstwann nach Hause. Am Donnerstag gehts morgens wieder superfrüh los zur Arbeit, und am Nachmittag hole ich den Kleinen wieder selbst ab. Wahrscheinlich hält er mich dann nur noch für irgendeine flüchtige Bekannte und weigert sich, mitzugehen. ;)

Im Übrigen…

…begann heute um 11 Uhr 11 die fünfte Jahreszeit und ich sitze bisschen traurig hier rum im karnevalistischen Brachland.

…war meine Mutti jetzt anderthalb Wochen bei uns und hat sich rührend um unser Kind und unsere Bude gekümmert.

…waren MTM und ich mal wieder zu zweit aus und haben Paella und Flamenco beim Spanier genossen.

…hat mein Kind von einem Tag auf den anderen sein Verhalten geändert und zeigt starke Verlustängste.

…fällt es mir unglaublich schwer, das hinzunehmen und diverse, monatelang problemlose Abläufe anzupassen.

…tut es mir auch leid, dass meine Mutti deshalb die letzten Tage ihres Besuches wieder allein, ohne ihren Enkel, schlafen musste.

…mache ich mir zu viele Gedanken, die letztlich auch nichts bringen, sagt mein Mann.

…habe ich eine Sucht nach Ofenkäse entwickelt.

…hat es sich eingebürgert, dass ich jeden Sonntag in aller Herrgottsfrühe in Jogginghose und ungeschminkt zum Bäcker laufe und wir dann ein schönes Sonntagsführstück mit Ei und allem Zipp und Zapp zelebrieren.

…gibt’s an allen anderen Wochentagen Haferflocken mit Milch oder Joghurt.

…kann ich einen schnellen Gang zum Bäcker von meinem Mann nicht verlangen, bevor er sich geduscht und gestriegelt hat, der feine Pinkel. :D

…habe ich alle Weihnachts- und Dezembergeburtstagsgeschenke zusammen, abgesehen von ein paar Fotogeschenken!

 

Schnipsel

Was man in wenigen Stunden kindfreier Zeit am Vormittag schafft, ist der Wahnsinn. Mir ging das schon bei 2,5-Stunden Kitazeit so, inzwischen sind wir bei 6 Stunden und ich drehe fast durch, weil ich plötzlich alles mögliche noch schaffen will und glaube, dass ich das mit der ganzen Zeit auch kann! Ich befürchte aber, ich übernehme mich mit meinen To-do-Listen.

Ach komm, was soll’s, hier ist meine lange Liste:
Steuererklärung (!!!)
Bude entrümpeln
Bude superdupergründlich putzen
Arbeitszimmer entrümpeln und putzen
Keller entrümpeln und putzen
Babykisten entrümpeln
Verkaufenswertes Zeug bei Ebay reinstellen
Restliches Zeug zum Sperrmüll oder in die Altkleidersammlung geben
Zahnarzttermin machen
Papierkram erledigen
Alten Papierkram ausmisten
Übergangsschuhe und Wintermantel shoppen
Zum Friseur gehen
Mit einer Freundin frühstücken
Geschenkeplanung Geburtstage/Weihnachten anfangen
Alleine in einem bestimmten Café sitzen und eine Weile lesen
Bloggen und Blogs lesen

Die Kita gefällt mir ganz gut. Die drei Erzieherinnen der Kleinen sind türkisch, italienisch und serbisch. Die anderen Erzieherinnen sind ebenfalls multikulti, natürlich auch deutsch. Der Umgang ist sehr liebevoll und den Kindern, die natürlich auch alle unterschiedliche Nationalitäten haben ist das ja eh so herrlich scheißegal.

Schräge Beobachtung in der Kita: Mutter parkt die Einfahrt zu, steigt augenrollend und im Pyjama (!) mit bröckeliger Schminke von gestern im Gesicht aus. Tochter steigt aus und hat ein sehr hässliches Tütü an (in solchen Momenten freu ich mich, einen Jungen zu haben) und quasselt irgendwas. Mutter rollt immer wieder mit den Augen. Mutter sagt zu der Erzieherin am Empfang: „Ey, heute hab ich frei, ich steig den ganzen Tag nicht aus dem Pyjama, ich hab so die Schnauze voll!“. Steigt wieder ins Auto, Kippe an und ab.

Schräges Gespräch mit unbekannter zweifacher Mutter auf dem Wochenmarkt. Ihre Aussage, die ich in keiner Weise forciert habe: „Ah, na dann werden unsere Kinder auch in der Schule nichts miteinander zu tun haben, haben ja alle ein ganz unterschiedliches Alter. Tja, man muss dann ja auch überlegen, ob man sie runter in die Ganztagsschule gibt und sie somit den ganzen Tag abschiebt, oder ob man sie hoch in die Vormittagsschule gibt und dann flexibel noch dazubucht, je nachdem wie man arbeiten möchte.“ Aha.

Internationales Kinderfest im Stadtteil nebenan. Mein Kind (1 Jahr und 8 Monate) wird auf dem Klettergerüst ohne Vorwarnung, ohne Grund, völlig bewusst und sehr doll gestoßen. So vorne gegen die Brust, mit beiden Händen. Von Timo, ca. 4 Jahre alt. MTM und ich total perplex und überrascht, trösten unser wie am Spieß brüllendes Kind, das sich total erschrocken hat und auch umgefallen ist. Mutter von Arschlochtimo: „Jetzt reicht’s, jetzt kommsch da runter.“ Arschlochtimo: „Nein!“. Ich ärgere mich, dass wir so überrumpelt waren, dass wir ihn nicht angeschnauzt haben, damit der mal von irgendeiner Seite’ne Ansage kriegt, dass man sowas nicht macht! Die Mutter steht wahrscheinlich heute noch an dem Gerüst und wartet dass er runterkommt. Wenn mein Kind sowas mal macht, ist Polen offen, echt.

 

 

 

Im Übrigen…

…ist der Ausquartierdrops bis auf weiteres gelutscht.

…fühlt sich das bedingungslose Hören aufs Bauchgefühl restlos richtig an.

…traue ich mich fast nicht, zu gestehen, dass ich so langsam den Hausfrau-Mutti-Job satt habe.

…hab ich trotzdem Zweifel und Gewissensbisse wegen der baldigen Kita-Aufnahme.

…habe ich neulich zum ersten Mal köstliches Kalbsfrikassee gekocht, aber mich für die Idee verflucht.

…ist es nun doch ein kleiner Klopper geworden.

…fühlt sich ein Friseurbesuch für mich wie eine kleine Wiedergeburt an – jedes Mal.

…führe ich To-Do-Listen, die ungelogen seit Januar 2017 exakt gleich aussehen – ohne auch nur einen Haken an irgendeinem Punkt.